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Aus dem Leben eines Motorradfahrers

von Theo (Theo_W )

Kapitel 2: Zehn Jahre später

Endlich wurde ich sechzehn und alt genug für den fünfer Führerschein. An den Schaufenstern der Mopedhändler drückte ich mir die Nase platt und bewunderte die chromblitzenden Kreidler und Herkules. Aber für einen Lehrling, der sein bisschen Geld zuhause abgeben musste und nur ein kleines Taschengeld bekam, war die Anschaffung - selbst eines gebrauchten Mopeds - ein unerfüllbarer Traum. So blieb mir nur mein Fahrrad (ohne Schaltung natürlich) um meine Umgebung im Radius bis 50 km. unter die Räder zu nehmen. Die wenigen Jungs, die von ihren Eltern ein Moped bekamen, wurden von uns Radlern schon sehr darum beneidet.
Aus dieser Vorführerscheinzeit blieben mir noch zwei Mopederinnerungen:
Eine siebzehnjährige Kollegin hatte einen Freund mit einem Scramplermoped. Der Auspuff war hochgezogen und mit einem verchromten Lochblech verkleidet. Wie allgemein üblich, bastelte er insbesondere an der Auspuffanlage herum um das Teil schneller zu machen. Ob sich in dieser Richtung Erfolg einstellte habe ich nie herausgefunden, aber einen anderen Effekt erzielte er mit seinem ausgeräumten Auspuff.
Hielten vorher Prallbleche die Auspuffhitze weitgehend von dem Lochblech fern, so strahlte jetzt voll die Hitze auf das Blech. Als er sonntags dann besagte Kollegin zuhause abholte und sie mit ihrem Petticoatröckchen und Rock’n’Roll-Slipper an den Füßen das Moped bestieg, verbrannte sie sich ziemlich übel den Oberschenkel an der Innenseite sehr weit oben. Im Büro zeigte sie ihre Verbrennung den Kolleginnen. Ausnahmsweise durfte ich auch mal hinschauen. Sie hatte ein rosa Unterhöschen an und gleich darunter war ein rot-weißes Lochmuster in die Haut gebrannt. Bis zur Wundverheilung an dieser heiklen Stelle musste sich ihr Freund einige Wochen in Enthaltsamkeit üben.
 
Meine zweite Erinnerung betraf mich selbst. Mein damaliger Freund und Mitradler war ein Jahr älter als ich und machte seinen Einser Lappen. Von seinem Vater bekam er dessen alte NSU 251 OSL zum fahren. Bevor ich mitfahren durfte, musste ich mir einen Motorradhelm und –Brille kaufen. Darauf bestand sein Vater.
Mit dieser alten Möhre lieferten wir uns heiße Rennen mit Goggo, Isetta & Co. Aber schon an den Käfern scheiterten wir. Das Teil war einfach zu schwachbrüstig. Überdies war es andauernd defekt. Irgendwas ging auf den Ausfahrten immer kaputt und so verbrachten wir mehr Zeit mit basteln als mit fahren.
Einmal machten wir auch eine Tour nach Saarbrücken. Es war ein schöner sonniger Tag und wir hatten nur noch ca. 6 km bis zur Stadt, als uns ein Plattfuß am Hinterrad zum stehen brachte. Flickzeug und Werkzeug zum Hinterradausbau? Leider nicht dabei. Was können 6 km weit sein, wenn man mit Rucksäcken, Helmen, Zeltausrüstung und einem kaputten Motorrad schiebenderweise unterwegs zur nächsten Tankstelle ist.
 
Endlich konnte ich meinen Führerschein machen
 
Hatte ich schon als »Stift« während meiner Lehrzeit mein Taschengeld als Filmvorführer und als Handlanger auf Baustellen und im Betonsteinwerk nebenbei aufgebessert, so brachte endlich der Eintritt ins Angestelltenverhältnis die ersehnte finanzielle Verbesserung.
Mein erster Gang führte mich in die Fahrschule. Den Dreier wollte ich machen. Mein Fahrlehrer versuchte mir auch den Einser schmackhaft zu machen, aber ich hatte mit diesen ewig defekten und ölenden Zweirädern zu der Zeit abgeschlossen. Auf den Dingern hatte man immerzu seine Klamotten versaut und war Wind und Wetter ausgesetzt. Zudem hing ihnen der Ruf des »Arme-Leute-Gefährts« nach. Kein Mädel wollte mehr mit so was mitfahren. Was sollte ich da mit dem Einser?
Ein teurer Entschluss, wie sich sehr viele Jahre später zeigen sollte.
 

Alles lief wie geplant. Mit Achtzehn hatte ich endlich den neuen grauen Lappen und kaufte mein erstes Auto. Mangels Masse war es eine alte 250er Goggo-Limousine. Es stellte sich heraus, dass dieses »Auto« genau so zuverlässig war wie das alte Motorrad meines Freundes. Unten fiel die Spachtelmasse aus der Karosse und der TÜV-Stempel ließ das Ende unserer Beziehung voraussehen.
 

Goggo 250 ccm

Trotzdem war ich stolz darauf ein eigenes,
selbst bezahltes Auto zu besitzen. Auch die beiden »Extras« an Bord sind mir noch in guter Erinnerung. Zum einen war da eine Christopherusplakette mit Magnetbefestigung und zum anderen eine verchromte Blechblumenvase. Meine Mutter wollte doch tatsächlich Wasser da reinfüllen und eine echte Blume hineintun, scheiterte aber an meinem Widerstand. So zierte die Vase nun ein kitschiges Plastikmaiglöckchen, das ich von meiner Mutter bekam.
 

Nachdem mein Goggo und auch dessen Nachfolger, ein Brezel-Käfer, ihre letzte Fahrt zum TÜV angetreten hatten, wollte ich mir ein neues Auto kaufen. Mein damaliger Traumwagen wäre ja eine Renault Floride, aber irgendwelche Sachzwänge ließen mich dann doch zum R4 greifen.
 

Renault Floride

Wie immer: Traum und Realität liegen weit auseinander. Sonst wären Traumwagen keine Traumwagen und Traumfrauen auch ... Ach lassen wir das.


Der R4 war ein überaus praktisches viertüriges Kombifahrzeug und hatte damals die Wirkung auf Mädels wie heutzutage ein Kleintransporter. Wenn in so ein Auto ein Mädel einstieg, dann bestimmt nicht des tollen Wagens wegen. Als ich meine Frau kennen lernte fuhr ich übrigens diese Kiste.
Nun wird sich jeder Leser fragen, was hat das alles mit Motorradfahren zu tun? Doch dazu komme ich jetzt.
 

Renault R4

Ereignisse die meine Einstellung zum Motorrad veränderten
 
Es war genau zu dieser Zeit. Meine Schwester war jung verheiratet, als ihr erster Ehemann mit nur 25 Jahren an einem Hirnschlag starb. Da stand sie nun mit zwei Kindern, ohne finanzielle Rücklagen, von einer Stunde zur andern alleine da. An diesem Wochenende hatte ich gerade meinen alten Goggo als Teileträger zu einem annehmbaren Preis losschlagen können. Nun half dieses Geld meiner Schwester über das Erste hinweg. Ich schenkte es ihr. Mein soeben verstorbener Schwager hatte ein Moped herumstehen mit dem niemand fahren konnte (oder besser: wollte). Das Ding war ein Miele Damenmoped mit voll verkleidetem Hinterrad, damit sich keine Damenröcke in den Speichen verfangen konnten. Es war alt, grün und potthässlich – aber es lief. Irgendwo hatte mein Schwager das mal billig gekauft und wieder zum Laufen gebracht. Er war Autoschlosser und hatte kein Problem damit. Meine Schwester gab mir also das Ding und meinte, wenn ich es nicht wollte könnte ich es ja verkaufen. Ich schätzte die Marktchancen jedoch gleich Null ein und gab mir keine Mühe es loszuwerden.
 
Mein erstes motorisiertes Zweirad
 
So kam ich in den Besitz meines ersten Mopeds und schob es erst mal in die letzte Ecke des Hofes. Da stand es nun und wurde langsam mehr und mehr mit anderem Gerümpel zugestellt. Wahrscheinlich wäre es irgendwann mal einem Alteisenhändler mit dem übrigen Schrott übergeben worden, hätte ich nicht eine Rolle seitwärts mit meinem R4 gedreht. Passiert ist mir nichts, aber der R4 war ein Totalschaden. Er fiel einfach auseinander. Die Kaskoversicherung ließ sich erstmal Zeit und vertröstete mich. Ich brauchte aber ein Fahrzeug um zur Arbeit – und genau so wichtig – zur Freundin zu kommen.
 
In meiner Not fiel mir die Miele wieder ein. Hinter dem angesammelten Krempel musste ich sie erstmal ausbuddeln. Mich erinnerte das grüne Ding mehr und mehr an eine hässliche Kröte. Welch eine Schmach für einen jungen Mann, mit so einem Gefährt fahren zu müssen.
 
Aber was heißt hier fahren? Ich hatte ja keine Ahnung wie man so ein Pedalteil überhaupt startet, schaltet und fährt. Meine ersten Fahrversuche mit der Kröte müssen erheblich an der Lebensdauer der Miele gezehrt haben. Aber schließlich beherrschte ich das alte Teil und lernte auch schonend mit ihm umzugehen. Drei Monate gingen ins Land bis endlich wieder ein Auto auf dem Hof stand. Zeit genug, um sich mit den Mucken und Pannen des Mopeds auseinander zu setzen und sich an das Maschinchen zu gewöhnen. Zuverlässigkeit war nicht die Stärke der Miele. Manche nächtliche Schiebaktion hatte ich hinter mir. Vor einem Mainzer Stadtteil habe ich seit der Zeit »Gamaschen«. Immer in diesem Stadtteil - natürlich weit weg von zuhause - wollte die Miele nicht mehr weiter.
 

Seltsamerweise hatte mich diese hässliche Kröte trotzdem mit dem Motorradbazillus infiziert. Gerne hätte ich mir nun ein schnelleres Zweirad gekauft, aber ich hatte nicht den erforderlichen Führerschein dazu. Alternativ gab es nur die offenen Fünfziger. Die waren aber in der Versicherung horrend teuer. Zu teuer für mich.
Nach der Miele kamen Herkules, Zündapp, Honda Camino, Honda CB 50, Puch und am Ende eine Dax in der fünfziger Version.

Honda Dax

Von allen Fünfzigern habe ich heute nur noch die Dax. Die seltene Puch schenkte ich einem Motorradmuseum, wo sie heute auf einem Podest zu bewundern ist. Die CB 50 verbrannte leider, alle anderen verkaufte ich weiter.
 
Das hätte ich billiger haben können
 
Als ich schon lange die Hoffnung auf ein »richtiges Motorrad« aufgegeben und mich daran gewöhnt hatte meine Zweiradleidenschaft mit den Fünfziger Mopeds zu stillen, kamen eines Tages meine inzwischen erwachsene Tochter und meine Frau mit einem Geschenkgutschein für einige Motorrad- Fahrstunden.
So kam es, dass ich als ältester Fahrschüler im Kurs, den beschränkten 27 PS Motorradlappen machte und nach zwei Jahren durfte ich den gleichen Lappen nochmals machen um in die unbeschränkte Einserhierarchie aufzusteigen. Der junge Fahrprüfer konnte sich die Fragen bei der Führerscheinübergabe nicht verkneifen: »Was wollen Sie denn mit dem offenen Führerschein? Haben Ihnen die 27 PS nicht gereicht?« »Ach wissen Sie ...«, log ich da, »Ich möchte mir gerne ein Gespann zulegen und da sind die 27 PS einfach etwas mager.« Vielleicht habe ich aber gar nicht geschwindelt. Ein Beiwagen an einer W650 sieht auch nicht schlecht aus. Wer weiß…

Hätte ich den Einser als Achtzehnjähriger mitgemacht, so hätte ich nur eine Fahr- und eine Prüfungsstunde gebraucht. In der Fahrstunde lernten die Einser damals auf dem Sportplatz oder Schulhof mit der Vespa (oder war es eine Lambretta?) einen Kreis und einen Achter zu fahren. In der Prüfungsstunde führten sie das an gleicher Stelle dann dem Prüfer vor. So billig und einfach war das damals ...

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