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Tour Review ...

Rustys erste Winterausfahrt

von Sigrid (Virginia)

Gestern war es endlich soweit. Ich lasse mich nicht nerven von dem Behördenkram und rufe einfach in der Werkstatt an, ob ich die »blaue Nummer« ausleihen könne, um mal eine runde mit Rusty zu fahren.
Am Morgen hatte es zwar noch leicht geschneit, und auch mittags war der Himmel noch grau-in-grau, aber zumindest liegt jetzt kein Schnee mehr auf den Straßen.
Ich also rein in die warmen Winterklamotten Marke »Zwiebelschichten« und mit dem Taxi zur Werkstatt. Die kleine springt problemlos an, stand sie ja bis jetzt im warmen Verkaufsraum und rattert dank Choke- Unterstützung munter vor sich hin. Bis ich all meine Klamotten warm und zugfest zu habe, läuft das kleine Motörchen etwas warm.
 
Als ich losfahre, und erst noch über ein paar Meter festgefahrenen Schnee auf dem Parkplatz muss, bevor ich die Straße erreichte, bin ich überrascht, wie handlich die Maschine ist.
Die Straßen sind salznass und mit neuen Reifen lässt sich auch nicht unbedingt spaßen, trotzdem vermittelt die Maschine vom ersten Meter an vollstes Vertrauen durch das leichtfüßige Handling, das niedrige Gewicht und die moderate Sitzposition, die jetzt, bei meiner Estrella, durch den M-Lenker etwas mehr nach vorne geneigt ist. Trotzdem ist die Maschine immer noch recht kurz geraten (im Vergleich zu meiner Ducati-Supersport) und ich hab das Gefühl, relativ aufrecht zu sitzen.
 
Die Beschleunigung ist trotz der nur 20 PS noch als ausreichend zu bezeichnen, mehr kann man wohl bei dem kleinen Motörchen nicht erwarten, mehr ist auch in Anbetracht der miserablen Straßenverhältnisse nur ungesund. Einzig und allein an Ampeln habe ich das Gefühl, doch arg untermotorisiert zu sein. Gewohnheitsmäßig rolle ich an der Kolonne vorbei bis in die erste Reihe und hab dann aber doch Mühe, bei grün den beschleunigenden Familienkutschen davon fahren zu können. Heute hat ja schon fast jeder Klein- und Mittelklassewagen mindestens 80 PS oder mehr.
 
Was mich positiv überrascht sind die, trotz Einzelscheibe und Einkolbensattel relativ gut verzögernden Bremsen, die mit dem Leichtgewicht offenbar keine Probleme haben. Dank Stahlflexleitungen bleibt auch der Druckpunkt konstant. Das Fahrwerk fühlt sich straff genug an, die Federbeine wurden ja auf die härteste Stufe vorgespannt - und auch die Gabel liegt dank Vorspannhülsen im inneren relativ satt, auch wenn sich alles doch wesentlich weicher und weniger stahlhart anfühlt, als auf meiner Duc. Dafür vermittelt die Maschine bei diesen motorradfeindlichen Witterungsverhältnissen wesentlich mehr Sicherheit.
 
Erst mal geht’s an die Tankstelle, um mal den schon etwas abgestandenen Sprit etwas zu verjüngen. Als ich durch den Stadtverkehr durch bin, und endlich auf etwas freiere Landstraßen komme, kann ich die kleine mal fliegen lassen. Im Gegensatz zu meiner Ducati, die erst ab ca. 6.000 upm und 120 km/h wirklich Spaß macht, hab ich auf der Estrella schon bei Tempo 80 das Gefühl, recht schnell unterwegs zu sein. Erst mal wird der eisige nasse Fahrtwind durch keinerlei Verkleidung abgehalten und ich hänge mit der Nase voll im Wind und das Motörchen hat schon bei 90 oder 100 anständig zu arbeiten. Mehr als 120 krieg ich nicht auf den Tacho, und mir scheint, als sei auch dies noch etwas optimistisch. Zudem wird die Maschine beim Hochschalten in den letzten Gang nicht schneller, sondern zäher und langsamer. Das ist komisch, eigentlich sollte sie da doch noch etwas zulegen. Mein Mechaniker meint später irgendwas von kleinerem Ritzel einbauen... Ich dachte eher, Estrellas werden vorne mit einem größeren Ritzel bestückt, um die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen ...
 
Jedenfalls ist der Fahreindruck auf der Landstraße mal schon nicht schlecht. Überholvorgänge von langsamer fahrenden Autos traue ich mir noch nicht wirklich zu, weil ich die tatsächliche Beschleunigung der Maschine noch schlecht einschätzen kann, und da Wetter, die Sicht und die Straßenverhältnisse einfach zu schlecht sind. Als es dann zunehmend anfängt zu regnen, beschließe ich, meiner kleinen Spatzierfahrt ein Ende zu machen, und langsam wieder die heimische Tiefgarage anzusteuern. Die Maschine sieht gotterbärmlich dreckig aus, der Motor dampft, vom Chrom am Auspuff ist vor lauter Dreck nichts mehr zu sehen. Aber ich grinse unterm Helm und hab eine diebische Freude an meinem Sternchen. Die nächste Ausfahrt findet hoffentlich mit etwas besserem Wetter statt ...

Gruß Virginia
 

Nachtrag / Am nächsten Tag ...

Ich steh Heute in der Tiefgarage, bewaffnet mit Spüli-Wasser und Schwamm, um wenigstens die gröbsten Verschmutzungen meiner gestrigen ersten Winterausfahrt zu tilgen, als mein Nachbar in die Garage kommt.
Nachbar: »Oha, neues Motorrad ... «

Ich: »Nein, eigentlich altes Motorrad. «
Nachbar: »Acha, also altes 'neues' Motorrad ... was ist denn dass für'n Oldtimer? «
Ich: »Noch kein Oldtimer, grade mal 12 Jahre alt. «
Nachbar - ungläubiges Staunen ...
Ich: »Fällt unter die Bezeichnung 'Retro-Bike'. «
Nachbar: »Die ist aber hübsch ... fast zu schade um im Winter zu fahren. «
Ich: »Fährt sich wie ein Fahrrad, so leicht ... «

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